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Von der Daten-Zersplitterung zur digitalen Unabhängigkeit: Warum ich meine Cloud-Dienste aufgegeben und auf ein Synology NAS gesetzt habe

Früher war meine digitale Welt ein Flickenteppich: Private Fotos in iCloud, Arbeitsdokumente bei Google Drive, wichtige Dateien auf meinem PC und als Rückversicherung noch eine externe Festplatte. Theoretisch war damit die 3-2-1-Backup-Regel sogar erfüllt, praktisch fühlte es sich aber nie wirklich sicher an. Immer schwebte die Angst mit: Was passiert, wenn mein Google-Konto gehackt wird? Wenn ein Cloud-Anbieter seinen Dienst einstellt oder plötzlich Gebühren verlangt? Wenn ich mein Passwort vergesse oder die Zwei-Faktor-Authentisierung nicht mehr funktioniert?

Also habe ich einen radikalen Schnitt gemacht. Meine Daten wandern auf einen gebrauchten Synology DS218+, den ich für kleines Geld erstanden habe. Ein „abgeschafftes“ Modell? Ja. Aber eines, das mich völlig unabhängig von Cloud-Anbietern macht – und das aus gutem Grund.

Datenschutz: Nicht nur ein Gefühl

Die großen Cloud-Anbieter haben ihre Geschäftsmodelle nicht darauf ausgerichtet, meine Daten zu schützen, sondern sie zu analysieren und zu vermarkten. Jedes hochgeladene Foto, jedes Dokument wird gescannt, um Profile zu erstellen oder – im Falle von Google Workspace – um personalisierte Werbung auszuspielen. Dazu kommen immer wieder Sicherheitsvorfälle: kompromittierte Zugangsdaten durch Phishing, Sicherheitslücken bei den Anbietern selbst, oder der Fall, dass man einfach aus seinem Konto ausgesperrt wird, weil die Zwei-Faktor-Authentisierung nicht mehr funktioniert.

Eine Synology DS218+ bringt hier eine vollkommen andere Sicherheitsarchitektur mit. Der Prozessor des NAS verfügt über eine AES-NI Hardware-Verschlüsselung, die Daten in Echtzeit verschlüsseln kann, ohne Leistungseinbußen. Das Gerät erreicht sequenzielle verschlüsselte Datenraten von über 113 MB/s beim Lesen und 112 MB/s beim Schreiben. Auf Wunsch kann man auch das gesamte Volume verschlüsseln – davon merkt der Anwender im Alltag nichts, aber die Daten sind vor unberechtigtem Zugriff geschützt. Synology DSM integriert zudem eine Firewall, unterstützt HTTPS für den Zugriff über das Internet und bietet Schutzmechanismen wie die Blockierung von Brute-Force-Angriffen.

Dass der DS218+ bereits „abgeschafft“ ist, spielt dabei keine Rolle. Im Gegenteil: Dass die offizielle Produktion eingestellt wurde, macht das Gerät auf dem Gebrauchtmarkt erschwinglich. Die Synology DS218+ ist seit etwa 2017 auf dem Markt, wurde fast neun Jahre lang vertrieben und ist in dieser Zeit zu einem ausgereiften, gut dokumentierten System gereift.

Out of the Box: Was Synology alles kann

Viele unterschätzen, wie viel Funktionalität moderne NAS-Geräte mitbringen. Die DS218+ läuft mit dem DiskStation Manager (DSM), einem webbasierten Betriebssystem, das sich ähnlich intuitiv bedienen lässt wie ein Desktop-Computer. Aus dem Stand kann man damit:

  • Zentrale Dateiablage für alle Geräte im Haushalt (PC, Mac, Smartphone, Tablet)
  • Medienserver für Fotos, Musik und Videos
  • Backup-Ziel für alle Rechner
  • VPN-Server für sicheren Fernzugriff
  • Downloadstation für Torrents und andere Downloads
  • Überwachungszentrale für IP-Kameras

Aber das ist erst der Anfang. Die DS218+ verfügt über einen Intel Celeron J3355 Dual-Core-Prozessor mit 2,0 GHz (Burst bis 2,5 GHz), 2 GB DDR3L-RAM (erweiterbar auf 6 GB) und drei USB 3.0-Anschlüsse – mehr als genug Leistung für einen privaten Daten-Hub.

Synology Photos: Die Google Fotos Alternative

Google Fotos war praktisch – bis Google 2021 beschloss, unbegrenzten kostenlosen Speicher abzuschaffen und stattdessen den Google Drive-Speicher für Fotos zu nutzen. Für mich war das der erste Weckruf.

Synology Photos ist die integrierte Lösung, die genau das bietet, was Google Fotos kann – aber ohne Tracking und ohne Werbung. Die App auf dem Smartphone sichert alle Fotos und Videos automatisch auf das NAS. Man kann zwischen persönlichem Speicherplatz (/home/Photos) und gemeinsamem Speicher (/photo) wählen.

Besonders praktisch ist die intelligente Duplikaterkennung: Synology Photos vergleicht neue Fotos mit bereits vorhandenen anhand von Dateiname, Aufnahmezeitpunkt und Hash-Wert. Wenn alle drei Werte übereinstimmen, wird das Foto nicht erneut hochgeladen – das spart Platz und vermeidet Redundanzen. Auch die HEIC-Unterstützung (das moderne Bildformat von iPhones) ist mittlerweile voll integriert, anders als bei älteren Lösungen.

Die mobile App sichert standardmäßig nur die aktuellste Version eines Fotos. Bearbeitet man ein Foto vor dem Backup, wird nur die bearbeitete Version gespeichert. Bearbeitet man es nach dem Backup, wird die bearbeitete Version als neues Datei abgelegt.

Synology Drive: Der Google Drive Killer

Synology Drive ist das Herzstück der Dateiverwaltung. Es bietet eine Google Drive-ähnliche Umgebung, die komplett selbst gehostet wird. Über den Webbrowser oder die Desktop-Apps (für Windows, macOS, Linux) kann man Dateien synchronisieren, gemeinsam bearbeiten und teilen.

Der Synology Drive Client auf dem PC erstellt dabei entweder reine Synchronisationsaufgaben oder geplante Backup-Jobs, die regelmäßig die lokalen Dateien auf das NAS spiegeln. Beides lässt sich flexibel konfigurieren. Besonders nützlich ist die „On-Demand Sync“-Funktion: Dateien werden nur dann lokal heruntergeladen, wenn man sie tatsächlich öffnet – das spart massiv Speicherplatz auf dem Rechner.

Für den Fernzugriff ohne VPN bietet Synology QuickConnect an. Der Dienst erfordert keine Portweiterleitungen im Router, nutzt eine globale Infrastruktur und wählt automatisch den erreichbaren Pfad per NAT-Traversal (Hole Punching). Der gesamte Datenverkehr ist dabei SSL-verschlüsselt, sodass selbst Synology die übertragenen Daten nicht einsehen kann.

Synology Office: Die Microsoft Office Alternative

Mit Synology Office bekommt man eine vollwertige Bürosuite direkt auf dem NAS installiert – und das komplett kostenlos, ohne Abonnement. Das Paket umfasst drei Komponenten:

  • Synology Document – Textverarbeitung (Alternative zu Microsoft Word, Google Docs)
  • Synology Spreadsheet – Tabellenkalkulation (Alternative zu Microsoft Excel, Google Sheets)
  • Synology Slides – Präsentationen (Alternative zu Microsoft PowerPoint, Google Slides)

Alle drei Anwendungen unterstützen die gängigen Microsoft Office-Formate (.doc, .docx, .xls, .xlsx, .ppt, .pptx) und bieten die Möglichkeit zur Online-Kollaboration in Echtzeit.

Natürlich hat Synology Office nicht den vollen Funktionsumfang von Microsoft Excel mit all seinen komplexen Makros und Spezialfunktionen. Aber für den normalen Hausgebrauch – Briefe schreiben, Haushaltsbücher führen, Präsentationen für den Verein erstellen – reicht es völlig aus. Die Integration in Synology Drive ist nahtlos: Man kann Microsoft Office-Dateien per Rechtsklick in Synology Office-Dateien konvertieren und dann direkt im Browser bearbeiten.

Seit 2025 bietet Synology Office auch integrierte KI-Funktionen, die optional genutzt werden können. Wer externen KI-Diensten nicht vertraut, kann die KI-Workloads stattdessen an ein lokales OpenAI-kompatibles System umleiten.

Hyper Backup: Das Backup-Konzept für die Ewigkeit

Das entscheidende Argument für den Umzug auf ein NAS ist nicht nur das „Wo“ der Datenspeicherung, sondern auch die Möglichkeit, echte Backup-Strategien umzusetzen. Genau hier wird der DS218+ zur digitalen Festung.

Hyper Backup ist das zentrale Werkzeug. Es kann Daten vom NAS auf nahezu jedes erdenkliche Ziel sichern: externe USB-Festplatten, ein zweites Synology NAS, rsync-kompatible Server, die Synology C2 Cloud oder andere öffentliche Clouds. Das Besondere: Hyper Backup arbeitet Block-Level-incremental – das heißt, es werden nur die tatsächlich geänderten Teile von Dateien übertragen, was massiv Speicherplatz und Zeit spart. Zusätzlich werden dedupliziert und komprimiert.

Die Möglichkeit, Versionierung zu nutzen, ist ein unterschätzter Vorteil: Man kann in der Zeit zurückreisen und frühere Versionen einer Datei wiederherstellen – falls man etwa versehentlich etwas gelöscht oder überschrieben hat. Die Wiederherstellung funktioniert entweder direkt auf dem NAS über die Hyper Backup-Oberfläche oder – wenn das NAS nicht verfügbar ist – indem man die externe Backup-Festplatte an einen PC anschließt und die Hyper Backup Explorer Desktop-Anwendung nutzt.

Für den Notfall kann man die integrierte Snapshot Replication nutzen, die extrem schnelle, nahezu sofortige Punkt-für-Punkt-Kopien erstellt. Und dank der vollwertigen 3-2-1-Backup-Strategie (drei Kopien, zwei verschiedene Medientypen, eine Kopie extern/offsite) hat man ein Sicherheitsniveau erreicht, das kommerzielle Cloud-Anbieter mit monatlichen Gebühren oft auch nicht besser hinbekommen.

Cloud Sync: Die Brücke zur alten Welt

Nur weil ich meine Cloud-Dienste hinter mir lassen will, heißt das nicht, dass ich sie komplett vergessen muss. Cloud Sync synchronisiert Daten zwischen der Synology und öffentlichen Clouds wie Google Drive, OneDrive, Dropbox, Box, Amazon S3, Baidu Cloud und vielen anderen.

Man kann die Sync-Richtung flexibel wählen: bidirektional für die vollständige Synchronisation, nur Download für einseitige Sicherung der Cloud-Daten auf das NAS, oder nur Upload, wenn man lokal arbeitet und nur bestimmte Daten in die Cloud spiegeln will.

Ein echter Pluspunkt: Cloud Sync kann die Verbindungen mit clientseitiger Verschlüsselung schützen, sodass selbst der Cloud-Anbieter die hochgeladenen Dateien nicht lesen kann. Für Google Drive gibt es zusätzlich die Option, Google Docs automatisch in Microsoft Office- oder JPEG-Formate zu konvertieren und offline zu speichern.

Wer seine NAS-Daten also nicht komplett isolieren will, kann sie mit Cloud Sync transparent in bestehende Cloud-Infrastrukturen einbinden – als Backup-Ziel oder als Übergangslösung für eine schrittweise Migration.

Die digitale Unabhängigkeit

Mit einem eigenen NAS erlangt man etwas, das man in der Cloud nicht haben kann: die volle Kontrolle. Die DS218+ läuft mit dem DiskStation Manager (DSM), der ständig weiterentwickelt wird und regelmäßig Sicherheitsupdates erhält. Man entscheidet selbst, wer auf welche Daten zugreifen darf, wann Backups laufen, welche Verschlüsselungsstandards gelten.

Die jährlichen Kosten sind überschaubar: Die DS218+ verbraucht im Betrieb etwa 17,23 Watt, im Leerlauf nur 5,4 Watt. Bei 0,30 €/kWh sind das jährliche Stromkosten von etwa 12-15 Euro (je nach Nutzungsprofil). Dem stehen monatliche Cloud-Abonnements gegenüber, die schnell das Zehnfache kosten können. Die externe Festplatte bleibt als zusätzliches Backup erhalten – und ist jetzt Teil eines durchdachten Gesamtsystems, nicht mehr die einzige Rettungsleine.

Dazu kommt ein nicht zu unterschätzender psychologischer Effekt: Ich muss nicht mehr darauf vertrauen, dass ein Tech-Konzern meine Daten nicht doch irgendwann für seine Zwecke nutzt. Die DS218+ steht bei mir im Keller, arbeitet leise vor sich hin, und ich habe jederzeit den physischen Zugriff auf meine Daten – ohne Netzwerk, ohne Internet, ohne Dritte.

Aber: Es gibt auch Nachteile

Keine Technologie ist perfekt, und ein eigenes NAS bringt durchaus Komplexität mit sich. Wer keinen technischen Hintergrund hat, könnte an der Einrichtung scheitern. Hier eine Liste der Herausforderungen, die mich selbst beschäftigt haben:

  • Setup-Aufwand: Die Ersteinrichtung des DSM, das Einrichten der Benutzer, die Konfiguration von Firewalls und Zugriffsrechten erfordert Zeit und Geduld. Es ist kein reines „Plug-and-Play“.
  • Backup-Eigenverantwortung: Man muss selbst daran denken, Backups einzurichten und regelmäßig zu überprüfen. Eine vergessene oder falsch konfigurierte Sicherung kann im Schadensfall fatale Folgen haben. Hyper Backup nimmt einem die meiste Arbeit ab, aber der Mensch bleibt der limitierende Faktor.
  • Fernzugriff: Wer von unterwegs auf sein NAS zugreifen will, muss sich mit QuickConnect, DDNS, VPN und den damit verbundenen Sicherheitsaspekten auseinandersetzen. Zwar ist der QuickConnect-Dienst bereits sehr benutzerfreundlich, trotzdem bleibt die Verantwortung für die Absicherung des Zugriffs beim Nutzer.
  • Ausfallsicherheit: Ein einzelnes NAS im Keller ist im Falle von Einbruch, Feuer oder Wasserschaden genauso gefährdet wie jeder andere Computer. Deshalb ist die 3-2-1-Backup-Strategie mit einer externen oder Offsite-Kopie unerlässlich – wofür man dann doch wieder auf Cloud-Dienste oder ein zweites NAS an einem anderen Standort angewiesen ist.
  • Upgrade-Pfad: Der DS218+ ist ein älteres Modell, das offiziell nicht mehr hergestellt wird. Der Support von Synology für bestimmte Pakete wird nach und nach eingestellt (wie etwa Mail Station, das im April 2026 eingestellt wurde). Wer die neuesten Funktionen und langfristigen Sicherheitsupdates haben möchte, muss irgendwann auf ein aktuelleres Modell upgraden.

Was fehlt noch?

Eine moderne NAS-Umgebung kann noch viel mehr, als hier beschrieben. Wer tiefer in die Welt des Self-Hosting eintauchen möchte, findet mit der DS218+ eine hervorragende Basis:

  • Docker-Container laufen auf der DS218+ – mit 2 GB RAM zwar nicht für schwere Workloads, aber für kleine Anwendungen wie Home Assistant, Pi-hole oder Nextcloud ausreichend.
  • Audio Station verwandelt das NAS in einen Musikserver für die ganze Wohnung.
  • Video Station und Plex machen daraus einen eigenen Streaming-Dienst für die Filmsammlung.
  • Active Backup for Business sichert ganze Windows-Rechner, Macs, Server und sogar virtuelle Maschinen.
  • Snapshot Replication bietet point-in-time Wiederherstellungen im Sekundentakt.
  • Antivirus by McAfee scannt das System auf Schadsoftware.
  • Secure Erasure stellt sicher, dass gelöschte Dateien auch wirklich gelöscht sind.

Der DS218+ kann nicht nur Fotos, Dokumente und Backups verwalten, sondern ist eine vollwertige Plattform für fast jede denkbare Serveranwendung im Heimbereich. Die Frage ist nur, wie tief man einsteigen möchte.

Fazit: Ein Schritt in Richtung digitale Mündigkeit

Mein Umzug von Google Drive, iCloud und einer externen Festplatte auf eine gebrauchte Synology DS218+ war kein Schnellschuss, sondern eine bewusste Entscheidung für digitale Unabhängigkeit. Ja, die Einrichtung war aufwändiger, als einfach nur ein Abonnement abzuschließen. Ja, ich musste mich mit Techniken wie Verschlüsselung, Backup-Strategien und Netzwerksicherheit auseinandersetzen, die vorher bequem von den Cloud-Anbietern für mich erledigt wurden.

Aber das Ergebnis ist es wert. Ich habe meine Daten wieder bei mir – physisch, kontrolliert, sicher. Die Angst vor gehackten Passwörtern, kompromittierten Konten, plötzlichen Gebührenänderungen oder Dienst-Einstellungen ist verschwunden. Stattdessen vertraue ich auf ein System, das ich verstehe, das transparent ist, und das mir gehört.

Der gebrauchte DS218+ war dabei nicht nur die günstigste Lösung, sondern auch die nachhaltigste: Statt neuer Hardware landet ein altes, aber leistungsfähiges Gerät wieder im Einsatz. Für mich ist das ein Gewinn auf allen Ebenen.

Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Nutzt du bereits ein eigenes NAS oder überlegst du, von der Cloud wegzugehen? Schreib mir deine Gedanken in die Kommentare!

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